Presseaussendung der Antifa Xi-Berg zum Naziaufmarsch am 06.02.2010 in Lauterach

In den letzten Monaten war der Tod eines jungen Neonazis im Februar letzten Jahres immer wieder Thema. Die Tat selbst hatte wohl nichts mit der rechtsextremen Gesinnung des Getöteten bzw. seiner Freunde zu tun, dennoch nutzt die rechtsextreme Szene Vorarlbergs sie, um ihre menschenverachtende Ideologie zur Schau zu stellen.
Deshalb finden wir es als Antifa Xi-Berg (Vorarlberg) wichtig, die Hintergründe und die Gefahr, die von dieser Gruppierung ausgeht, zu erläutern.

Schon in der Vergangenheit hat es in Vorarlberg immer wieder Versuche der Neonaziszene gegeben, Todesfälle von Rechtsextremen dazu zu nutzen, Präsenz in der Öffentlichkeit zu zeigen.
Vor einigen Jahren kam es wiederholt zu sogenannten Trauermärschen für den Bregenzer Naziskin „Franky“, welcher sich nach einem Fußballmatch in einer Gefängniszelle erhängte. Und auch nach dem Tod einer 23-jährigen Münchnerin im Jahr 2004, die bei einem Neonazikonzert in Krumbach bei einem Unfall verstarb, gab es Versuche der Rechtsextremen, einen Trauermarsch durchzuführen.
Seit 2002 wurden jedoch sämtliche Aufmarschversuche von der Polizei im Keim erstickt.

Im vergangenen Jahr wurde von der Vorarlberger Sicherheitsdirektion erstmalig wieder ein sogenannter Gedenkmarsch akzeptiert. Nach der Beerdigung des 20-jährigen Naziskinheads marschierten ca. 100 Neonazis ungestört, nur durch 2 Polizeistreifen begleitet, von Wolfurt nach Lauterach.
Und auch in diesem Jahr wird in einschlägigen Internetforen wieder zu einem Trauermarsch am 6. Februar in Lauterach aufgerufen.

Dass es sich dabei um organisierte Neonazis handelt, war schon kurze Zeit nach der tödlichen Messerstecherei ersichtlich. Unter anderem tauchten am Tatort Plakate mit eindeutig rechtsextremen Aussagen auf, die mit B&H (Blood and Honour) unterzeichnet waren.
Blood and Honour ist ein internationales Netzwerk, das nationalsozialistische und faschistische Propaganda verbreitet. In Deutschland ist B&H schon seit dem Jahr 2000 verboten.

Auch bei der Beerdigung und dem anschließenden „Trauermarsch“ marschierten Neonazis aus dem gesamten Bodenseeraum auf.
Dass diese Veranstaltungen nicht von einfachen Neonazis besucht wurden, sondern von den Mitgliedern und der führenden Ebene der Blood and Honour-Organisation der Region, war unter anderem daran ersichtlich, dass auf den bisherigen Veranstaltungen jedesmal eine sehr große Anzahl an Symbolen von Blood and Honour beobachtet werden konnte, sowie an den Gedenkplakaten und Kränzen, die mit „Blood and Honour“ signiert waren.

Dass dabei die Trauer für einen getöteten Kameraden nur ein Vorwand ist, wird spätestens beim Aufruf zum „Gedenkmarsch“ am 06.02.2010 ersichtlich, denn dieser richtet sich explizit nicht an FreundInnen, Verwandte oder Familienmitglieder des Getöteten, sondern an „Organisationen und Sympathisanten“ der extremen Rechten.
Das Umfeld der Szene soll also auf eine Veranstaltung gelockt werden, bei der es eigentlich um Propaganda, Vernetzung und die Anwerbung von jungen Leuten für die faschistische Bewegung geht.
Wenn solche Aufmärsche weiterhin geduldet oder akzeptiert werden, könnte sich das zu einem Fixpunkt im Kalender der rechtsextremen Szene entwickeln.

Fakt ist, dass – trotz permanenter Leugnung der Sicherheitsdirektion – Vorarlberg eine Hochburg der rechten Szene in Österreich ist.
So wurde zum Beispiel ein von B&H als Motorradklub getarnter Verein mit Wissen der Exekutive jahrelang akzeptiert und konnte sich zum Anlaufpunkt für alte und junge radikale Rechte entwickeln.

Welche Auswirkungen das permanente Verharmlosen und Ignorieren der rechten Szene von Seiten der Sicherheitsdirektion und der Politik hat, ist an den in den vergangenen Monaten beinahe wöchentlich stattfindenden Übergriffen von Neonazis auf MigrantInnen, AntifaschistInnen und alternativ aussehende Menschen zu erkennen.

Dass solche Entwicklungen in einem Land mit einer Geschichte, wie Österreich und damit Vorarlberg sie hat, konsequent ignoriert werden, können und wollen wir nicht akzeptieren.

Antifa Xi-Berg

Weitere Informationen zu Blood & Honour Vorarlberg gibts unter: http://www.anarchismus.at/txt3/bloodandhonour.htm

En Garde! WKR-Ball anfechten! Gegen das rechtsextreme Tanzevent in der Hofburg

Alle Jahre wieder…
Am 29. Jänner 2010 findet zum mittlerweile 57. Mal der alljährliche Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) in der Hofburg statt.Anti WKR Plakat
Im WKR sind mehr als zwanzig lokale Studentenverbindungen organisiert, die sich politisch in einem Spektrum zwischen „national-freiheitlich“, völkisch-deutschnational und offen rechtsextrem bewegen. Der bekannteste Mitgliedsbund ist derzeit sicherlich die Burschenschaft Olympia, deren „alter Herr“ Martin Graf skandalträchtig das Amt des dritten Nationalratspräsidenten bekleidet. Gerade die Olympia zeigt sehr deutlich die Scharnierfunktion deutschnationaler Korporationen zwischen der FPÖ einerseits und dem Neonazismus andererseits. So lassen sich Olympen für die FPÖ im Nationalrat, im Wiener Landtag, sowie im Parteivorstand auf Bezirks- und Landesebene finden. Gleichzeitig lud die Olympia aber in den letzten Jahren verschiedene neonazistische Liedermacher, als auch den Holocaustleugner David Irving in ihr Verbindungshaus ein. Daneben äußert sich die Olympia immer wieder rassistisch, antisemitisch und NS-verharmlosend.

Weiters stehen Burschenschaften für Männerbündelei und Sexismus. Das zeigt sich schon daran, dass Frauen grundsätzlich der Beitritt zu sämtlichen WKR-Verbindungen untersagt ist und sie bestenfalls an ausgewählten Abenden als Begleitung „mitgebracht“ werden dürfen. Dass sich Frauen in Gegenwart von Burschenschaftern dann rollentypisch zu verhalten haben, verdeutlicht die Olympia: „Hast du […] eine Freundin mit, die weder schön noch still ist, kurz: bist Du auf irgendeine Weise abnormal oder unfröhlich, dann bleib lieber zu Hause.“ Ein Blick in das korporierte Liedgut verdeutlicht das sexistische Rollenbild, wenn davon gesungen wird, dass die Frauen statt an der Universität doch besser bei Wäsche, Herd und Nähmaschine zu sein hätten.

Jahr um Jahr kommen etwa 2.000 Besucher_innen zum Rechtswalzer in die Hofburg. Neben einer Vielzahl an Korporierten lässt sich natürlich auch die Politprominenz von FPÖ und BZÖ in der ehemaligen Kaiserresidenz blicken. Jedoch hat der WKR-Ball nicht nur österreichweite Relevanz. So wirbt der Ballausschuss damit, dass sich die Veranstaltung „zum größten couleurstudentischen Gesellschaftsereignis im deutschsprachigen Raum“ entwickelt habe. Und auch die Besucher_innen der letzten Jahre unterstreichen die internationale Dimension. So nutzten diverse Funktionär_innen rechter und rechtsextremer europäischer Parteien die Abendveranstaltung als ihre Bühne: 2009 waren Delegationen von pro Köln, pro NRW und der DVU (Deutschland), der Dänischen Volkspartei und der Schweizer Volkspartei anwesend. Weiters waren der russische Nationalist und Antisemit Alexander Dugin sowie der spanische Rechtsrevisionist und Faschist Enrique Ravello zum Ball eingeladen. Im Jahr davor tummelten sich u.a. Jean-Marie Le Pen (Front National / Frankreich) und Frank Vanhecke (Vlaams Belang / Belgien) neben „Kameraden“ aus Bulgarien in der Hofburg.
Es verdeutlicht sich die Rolle des WKR-Balls für die nationale wie internationale (extreme) Rechte. Doch ist dieses nationalistische Schaulaufen bei Weitem nicht der einzige Skandal in dieser Republik.

Am Schauplatz: Österreich
Ein Rückblick auf das Jahr 2009 bereitet aus emanzipatorischer Perspektive abwechselnd Kopf- und Magenschmerzen. Auf parlamentarischer Ebene fuhren die Rechtsparteien FPÖ und BZÖ einen Wahlerfolg nach dem anderen ein. Während das BZÖ auch ohne Jörg Haider den Sitz des Kärntner Landeshauptmannes verteidigen konnte, verdoppelte die FPÖ teilweise ihre Prozente bei den vergangenen Wahlen. So wurden bei der Europawahl aus 6,3% nun 12,7%, in Oberösterreich sind es jetzt 15,3% und in Vorarlberg schaffte die FPÖ gar einen Zuwachs von 12% auf mehr als 25%.

Auch jenseits der Parteipolitik artikulierte sich der ekelhafte Geist der Volksgemeinschaft. So trafen sich im Juni mehr als 1.500 Burschenschafter zu einem „gesamtdeutschen“ Festkommers in Innsbruck. Elementarer Bestandteil des Kommerses war die rechtsrevisionistische Forderung eines Tirols „von Kufstein bis Salurn“ (Salorno / Norditalien). Es erübrigt sich zu erwähnen, dass ein vereintes Tirol in diesem Denken auch Teil von „Gesamtdeutschland“ wäre. Und es dauerte nicht lange bis das nächste rechtsrevisionistische Spektakel folgte. Beim Landesfestumzug im September wurden Andreas-Hofer-Kult und 200 Jahre Tiroler Freiheitskampf inszeniert. Unter den 30.000 Teilnehmer_innen war dann neben unzähligen „Ein Tirol“-Bannern auch ein Block von selbsternannten „Freiheitskämpfern“, also Südtirolterroristen, zu finden. Ohne groß zu differenzieren jubelten die 70.000 Zuschauer_innen Schützen- und Trachtenvereinen ebenso zu wie „gesamtdeutschen“ Burschenschaftern und dem in Italien wegen vierfachem Mord verurteilten Terroristen Erhard Hartung.

Und auch ein Ausblick auf das Jahr 2010 stimmt nicht gerade zum Frohsinn. Als wäre der „Freistaat“ Kärnten nicht schon Zumutung genug, wird das südlichste Bundesland im Herbst seine identitäre Selbstvergewisserung zelebrieren. Dann nämlich wird dort zum 90. Mal „Kärntens Ja zu A“, also der Verbleib des ehemals mehrheitlich slowenischsprachigen Südkärntens bei Österreich, mit Festumzug und allerlei Tamtam gefeiert. Selbstredend werden reaktionäre Verbände wie der Kärntner Abwehrkämpferbund und der Kärntner Heimatdienst wissen, diesem Event ihren völkischen und antislawischen Stempel aufzudrücken.

Wien ist anders ?!?
Es mag sein, dass provinzielle Volkstümeleien wie Tirolerhut und Kärntner Anzug in der selbsternannten Weltstadt Wien nicht die gleiche Begeisterung hervorrufen wie im tiefsten Hinterland. Das sollte jedoch nicht zu der irrigen Meinung führen, dass völkisch-nationalistisches Denken und damit einhergehend Rassismus und Antisemitismus hier nicht ebenso präsent wären.
Der bevorstehende Wien-Wahlkampf lässt ungutes erwarten. So hetzt die FPÖ im Vorfeld schon in Postwurfsendungen gegen die „Zuwanderungslawine“, „Asyl-Verbrechen“ und die „Kriminalitätsexplosion“, die – wie könnte es anders sein – Mafiabanden aus Osteuropa zugeschrieben wird. Dass ausgerechnet die FPÖ gegen Freunderlwirtschaft vorgehen will ist ein Witz, wenn bedacht wird wieviele korporierte Nationalratsabgeordnete der Freiheitlichen Bundesbrüder als parlamentarische Angestellte beschäftigen. Es ist leider zu erwarten, dass die Rhetorik umso schärfer wird je näher der Wahltag rückt und je „heißer“ die Phasen des Wahlkampfs werden. Damit sind nicht nur FPÖ und BZÖ gemeint. Erinnert sei an die ÖVP, die sich vor der letzten Nationalratswahl schon deutlich verschärft zu Migration und Integration äußerte und an die neue Wiener ÖVP-Chefin Marek, die sich schwarz-blau für Wien vorstellen kann.
Dabei sind die genauen Prozentzahlen, die bei der Wahl herauskommen werden, relativ egal. Es ist unabhängig davon festzustellen, dass es mittlerweile im gesellschaftlichen Diskurs kein oder kaum mehr ein Aufreger ist, wenn der dritte Nationalratspräsident die Zugehörigkeit „Südtirols“ zu Italien in Frage stellt, wenn dieser weiters behauptet „Afrikaner sind biologisch anders“ oder wenn er dann auch noch Ariel Muzicant, den Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde, antisemitisch diffamiert.

Die Aufgabe von Antifaschismus kann aber nicht darin liegen, Wähler_innen von blau/orange und schwarz davon zu überzeugen, doch lieber für die nur scheinbar weniger ekelhaften Alternativen rot oder grün zu votieren. Es reicht auch sicher nicht aus, einmal im Jahr symbolisch ein „Zeichen gegen rechts“ zu setzen, während sich die restlichen 364 Tage affirmativ auf die bestehende Ordnung bezogen wird. Es muss klar sein, dass Rechtsextremismus als Phänomen eine militante Steigerungsform bürgerlich-kapitalistischer Werte und Ideologien darstellt. Ein Antifaschismus, der seinen Namen verdient, müsste an den Wurzeln dieser bürgerlichen Vergesellschaftung ansetzen, die zwangsläufig Herrschaft und Ausschluss produziert. Insofern sind Interventionen gegen Events wie den WKR-Ball zwar bittere Notwendigkeit, letztlich aber wertlos solange nicht darüber hinaus jede Form von reaktionärer Ideologie bekämpft und die kapitalistische Grundlage negativer Vergesellschaftung angepackt wird. Das Ziel von Antifaschismus liegt perspektivisch also darin unnötig zu werden; und zwar durch die Transformation gesellschaftlicher Verhältnisse dahingehend, dass anti-emanzipatorischen Denkformen jegliche Grundlage entzogen wurde.

In diesem Sinne:
Burschenschafter raus aus der Hofburg!
Deutschnationale Männerbünde auflösen!
Antisemitismus, Sexismus, Rassismus und Homophobie immer und überall entgegenarbeiten!
Für eine Gesellschaft jenseits kapitalistischer Herrschafts- und Verwertungszusammenhänge!

Demo gegen den rechtsextremen WKR-Ball:
29.1.2010 – 18:00 Uhr / Europaplatz Wien

Naziaufmarsch am 3.10. in Friedrichshafen verhindern

Neonazis aus Deutschland und der Schweiz planen am 3.10.2009 eine Demonstration unter dem Motto „Mauer fiel – Überwachung blieb“. Die Faschisten nehmen den „Tag der deutschen Einheit“ zum Anlass, zum ersten Mal seit zwei Jahren einen größeren Aufzug durchzuführen. Die Demo soll um 13 Uhr am Franziskusplatz an der Nordseite des Friedrichshafener Bahnhofs starten.

Von 2005 und 2007 waren die Neonazis im Bodenseeraum bereits mit mehreren Großdemos sehr aktiv. Seit 2008 hatten sie vermehrt auf kleinere Aktionen (unangemeldete Demos, Sprühaktionen, Papierschnipsel mit „subversiven“ Botschaften zum Todestag des Bruchpiloten Rudolf Heß) und auf Konsolidierung und Ausbau ihrer Organisationstrukturen gesetzt. Nun fühlen sie sich stark genug, sich wieder an einer größeren Demo zu versuchen.

Die Stadt Friedrichshafen übt sich wieder einmal in der altbekannten Verschleppungstaktik. Das von den großen Parteien dominierte Bündnis „Gegen Extremismus – Für Toleranz und Demokratie“ versucht, etwaigen Protest in herrschaftsverträgliche Bahnen zu lenken.

Deshalb rufen wir alle antifaschistischen Gruppen und Individuen der Region dazu auf, das ihnen Mögliche beizutragen, diesen Aufmarsch zu verhindern!

Neonaziaufmarsch verhindern! Kein Fussbreit den FaschistInnen! In Friedrichshafen und Überall!

Aktuelle Infos zur Neonazidemo und zu geplanten Gegenveranstaltungen gibt es bei der Antifa Ravensburg.

Burschenschaftskommers Innsbruck angreifen! (19.-21. Juni)

Vorläufiges Programm für die Aktionstage:

FREITAG 19.06.2009

- Nachmittag: Dezentrale Aktionen!

- Abend: Infoveranstaltung zu Burschenschaften in Österreich!

SAMSTAG 20.06.2009

- Nachmittag: ab 12 Uhr Burschis wegbassen! Die Burschis planen ein „Totengedenken“ am BergIsel. Wir werden ihrer Zusammenkunft mit fetten beatz einheizen! Kommt alle zum Straßenfest gegen das „Totengedenken“ zum Bierstindl in Innsbruck

- ab 17 Uhr Große Demonstration vom Bierstindl Richtung Innenstadt und weiter zur Messehalle wo die Burschis feiern wollen!

- Abend: Antifa-SoliKonzert in der PMK

Mehr Infos unter: http://www.antifa-ibk.it.tt/

Burschenschaftskommers Innsbruck angreifen! (19.-21. Juni)

Was ist der Kommers 2009?

Festkommerse sind für Studentenverbindungen beliebte Auftritte, um ihr Gedankengut Säbel klirrend an die Öffentlichkeit zu bringen. In eigenen oder sympathisierenden Szeneblättern wird die Wirkung verstärkt. Es ist ein großes, überregionales Zusammentreffen von Verbindungen und Burschenschaften, das nach strengen Regeln abgehalten wird.

Der „großdeutsche“ Gedanke und „Tirol 2009“

In diesem Fall haben sich die Organisatoren für den 19. Juni entschieden, den Tag der so genannten Herzjesufeier. An diesem Tag werden im traditionell -religiösen Zusammenhang Bergfeuer abgebrannt, allerdings sind diese inzwischen auch im Zusammenhang mit der Forderung nach einer Wiedervereinigung Tirols zu sehen. Auch wenn der Kampf für die Rechte der deutschsprachigen Minderheit in Südtirol in den Fünfziger- und Sechzigerjahren seine Berechtigung hatte, so wurde er dennoch immer schon von Rechtsradikalen und Neonazis für ihre Zwecke missbraucht -die Idee des „Grenzdeutschtums“ treibt die rechte Szene in Österreich und Deutschland ja schon lange herum. Nachdem Rechtsextreme in Österreich nicht mehr offen für ein vereinigtes Deutschland auftreten können , wird der großdeutsche Gedanke hinter dem Begriff der „Deutschen Kulturnation“ versteckt und Südtirol so zu einem Teil dieser Kulturnation. Für deutschnationale Burschenschaften steht dieser Begriff über den nationalstaatlichen Grenzen, wie sie heute existieren, und ist nur eine moderne Adaption der Idee der Deutschen Nation. Der Kommers ist also Anlass, eben diesen völkischen Gedanken offen zu propagieren.

Der Kontext!

Doch mit diesen Ideen setzen sich die Burschenschafter gar nicht allzu weit von der offiziellen Linie der Tiroler Landespolitik ab. So sagte bereits Andreas Khol, ehem.Nationalratspräsident, ÖVP-Abgeordneter und Organisator des offiziellen tiroler Gedenkfestumzugs im September 2009, dass dieses Gedenkjahr die „große Chance, die Einheit Tirols im Kopf zu verankern“ biete. Es scheint, dass völkische Ideen in Tirol auch im 21. Jahrhundert noch salonfähig sind. Dies bietet einen fruchtbaren Boden für rechtsradikale Veranstaltungen wie den Kommers.

Der Vierte…

Der Kommers im Juni ist nicht die erste große burschenschaftliche Veranstaltung in Innsbruck, de facto gab es bereits 1984, 1994 und 2000 ähnliche Treffen.
1994 wurde im Innsbrucker Kongresshaus der „Gesamt-Tiroler-Freiheitskommers“ veranstaltet. Damals organisiert von der Deutschen Burschenschaft (DB), den Innsbrucker Burschenschaften Brixia und Suevia, sowie dem Wiener Korporationsring (WKR). Dem Ausspruch „Keine Angst vor Großdeutschland!“ jubelten damals über 1.500 Waffenstudenten zu.(1)
Am 12. und 13. Mai 2000 fand in Innsbruck die letzte Großveranstaltung waffenstudentischer Verbindungen statt. Sie löste heftige Proteste aus und die „Plattform gegen Rassismus“ mobilisierte zu einer Gegenkundgebung. Trotz allem ließ es sich der damalige Innsbrucker Bürgermeister Herwig van Staa nicht nehmen, den Ehrenschutz zu übernehmen. Heuer wird wieder ein wesentlich höherer Staatsfunktionär öffentlich für den Kommers einstehen: Nationalratspräsident Martin Graf, Mitglied der rechtsradikalen Burschenschaft Olympia in Wien.

Der Hintergrund

Die Organisation des Kommers wird von einer interkorporativen Arbeitsgruppe geleitet. Die Leitung der Gruppe hat Christoph Mösenbacher inne. Er ist gleichzeitig der Vorsitzende des Rings freiheitlicher Studenten (sic) für Tirol und Mitglied der Burschenschaft Brixia. Weiters mit im Boot sind die Burschenschaft Suevia, die Corps Athesia und Gothia, die Sängerschaft Skalden, die Landsmannschaft Tirol und die akademische Turnverbindung.
Dieses Netzwerk als solches kann nicht als rechtsradikal eingestuft werden, auch wenn einige der Burschenschaften, die darin agieren, wie die Brixia, Suevia und die Sängerschaft Skalden, durchaus so bezeichnet werden können. Jedoch lässt sich die generelle Akzeptanz des deutschnationalen Lagers in diesen Zusammenhängen festhalten.
Einige Mitglieder der Burschenschaften sind des weiteren auch in rechten Parteien, wie der FPÖ und dem BZÖ, organisiert, und bekleideten hohe Ämter in Bundesministerien – es scheint, als stünde eine mächtige Parteienstruktur hinter den Burschenschaften. Diese ist auch seit der Regierungsbeteiligung der FPÖ 2000 verstärkt in den Staatsapparat eingedrungen – seit 2001 wird kein gesonderter Rechtsextremismus-Jahreslagebericht mehr herausgegeben und seit 2002 werden die deutschnationalen Burschenschaften nicht mehr im österreichischen Verfassungsschutzbericht erwähnt. , und im Moment sitzen zumindest 13 Abgeordnete im Parlament, die Mitglied einer deutschnationalen Korporation sind.
Auch das Verhältnis der Korporationen zu rechtsradikalen Persönlichkeiten in ihren eigenen Reihen ist interessant: Da ist einmal Herwig Nachtmann, Mitglied der Burschenschaft Brixia, 1995 nach dem NS Verbotsgesetz verurteilt. Seine Verurteilung hatte keine weiteren Auswirkungen auf seine Mitgliedschaft. In derselben Korporation findet sich auch Erhard Hartung, verurteilter vierfacher Mörder und Südtirolterrorist, der jedoch nie an Italien ausgeliefert wurde.
Auch NS-Mörder, wie der SS Obersturmbannführer Gerhard Lausegger (Suevia), Mitbeteiligter im Novemberpogrom 1938 in Innsbruck, der KZ – Arzt Hermann Richter (Skalden) und Ferdinand von Sammern – Frankenegg (Skalden), Verantwortlicher für die Deportation der Warschauer JüdInnen, waren Altherren der Innsbrucker Burschenschaften, die sich bis heute nicht von ihrer Vergangenheit und der Vergangenheit ihrer Mitglieder distanzieren – auf der Homepage/Heimseite der Suevia wird bis heute von der „Niederlage 1945“ gesprochen.

Alpenfestung schleifen!

All diese Umtriebe sind Teil des österreichischen Alltags und nehmen Einfluss in Kultur und Politik. Ein Auftreten gegen den Kommers ist wichtig, aber es ist nur ein kleiner Schritt in der täglichen Arbeit gegen menschenverachtende rechtsradikale Ideologien und ihre TrägerInnen in unserer Gesellschaft, aber immerhin ein Zeichen von Widerstand – Wer nicht aus der Geschichte lernt, ist verurteilt, sie wieder zu erleben… Watch out for Mobilization!

Weitere Infos unter: http://www.antifa-ibk.it.tt/

Kein Naziaufmarsch am 1. Mai in Ulm

Wir hätten da was zu erledigen…

…in Ulm, um Ulm und um Ulm herum!

Neonazis aus süddeutschen Kameradschaften, NPD- und JN-Gliederungen haben für den 1. Mai 2009 einen Aufmarsch in Ulm angekündigt. Ihr Traum ist es, neben dem in Hannover geplanten Marsch auch hier eine große Aktion zustande zu bringen. Das werden wir nicht hinnehmen!

Im letzten Jahr waren Neonazis aus Ulm, Langenau und der Region noch mit dem Plan gescheitert, ihre bundesweite Szene für einen Marsch am 1. Mai in Ulm zu gewinnen. Der Haufen autonomer Nationalisten um die AG Schwaben-Homepage und als Junge Nationaldemokraten (JN) versuchen sie es nun 2009 erneut, zusammen mit der baden-württembergischen NPD, deren Landesgeschäftsführer Alexander Neidlein als Anmelder fungiert hat.

Gerade am 1. Mai wollen sich die Nazis als rebellische Jugend und als Systemopposition darstellen. Ganz bewußt beziehen sie sich dabei auf die Tradition des von den Nationalsozialisten 1933 geschaffenen Tag der nationalen Arbeit, auf die explizit antisemitische, deutsche Variante des Arbeitsbegriffes und begreifen den Kapitalismus als Verschwörung.

Mit der Aussage “Die Macht in diesem Land haben nicht die Parlamentarier, sondern jene, die durch internationale Machtstrukturen und globale Wirtschaftskreisläufe Druck auf die nationalen Regierungen ausüben und diese damit zum Spielball fremder Interessen machen …”, wird unterschwellige antisemitische Hetze betrieben, welche “den Juden” als Fadenzieher des Kapitalismus darstellt.

Die Durchführung des Aufmarsches (der wenn überhaupt, dann nur aufgrund polizeistaatsähnlicher Verhältnisse am 1. Mai denkbar sein kann) könnte für die Neonazis der Region eine weitere Stärkung ihres Selbstbewußtseins bedeuten. Eine Verhinderung wird ihnen jedoch massive Identifikations-möglichkeiten und Möchtegern-Coolness nehmen.

Wenn wir den Nazis kräftig in die Suppe spucken wollen, dann tun wir dies aus der Ablehnung heraus, die wir der kapitalistischen Gesellschaft, der Nation und dem Patriarchat entgegenbringen.

„Den realen Zumutungen und materiellen Schädigungen, mit denen die meisten InsassInnen der Gesellschaft zurechtkommen müssen, begegnen wir heute nämlich nicht in ihrer faschistischen, sondern in ihrer demokratischen Form.(…) Die faschistische Option ist der Durchsetzung sozialer Härten dabei immanent“, schrieb die Leipziger Antifagruppe Lea. Bei den Neonazis ist der völkische Rassismus und Antisemitismus noch viel barbarischer, die Zumutungen von Staat und Nation noch viel radikalisierter als im sozialen Normalbetrieb.

Aus dem Nichtverstehen des irrationalen Kapitalismus speist sich bei den Neonazis brutaler Hass und die Ideologie und Praxis von Vernichtung. Neonazistischer Agitation in der Öffentlichkeit sowie einer Normalisierung der Präsenz von Neonazis in Kneipen und Stadtbild in Ulm, Langenau, sowie in der Region werden wir daher immer erbitterten Widerstand entgegensetzen.

Wir halten es für richtig, gemeinsam mit vielen Menschen den Naziaufmarsch am 1. Mai zu einem Desaster werden zu lassen (remember: Köln 2008), auch wenn uns politisch mit so manchen von ihnen nur wenig verbinden mag. Die Zusammenarbeit hat aber auch Grenzen!

Viele derer, die da bunt statt braun rumstehen werden, sind überzeugte ApologetInnen der herrschenden Ordnung und so manche werden darunter sein, die auch bei der Fußball-WM mit Nationalfahnen in die Ulmer Innenstadt geströmt sind. Nicht wenige von denen, die sich da angekündigt haben, sind alles andere als frei von rassistischen, antisemitischen und sexistischen Ressentiments sowie autoritären Vorstellungen. Auch keinen Bock haben wir darauf, am 1. Mai das Image der Stadt Ulm zu retten oder uns einem Kampf gegen den Extremismus anzuschließen.

Wenn wir den Aufmarsch der Nazis und ihrer BeschützerInnen am 1. Mai in Ulm zum Fiasko machen, dann sicher weder durch mackerhafte Sprüche noch durch PACE-Fahnen-Wedeln fernab der Nazi-Route. Entschlossenes, solidarisches Handeln und antifaschistischer Selbstschutz sind unsere Mittel gegen rechte Gewalt und Aufmärsche. Unsere Aktionsformen waren immer dann erfolgreich, wenn sie sich durch Konsequenz, Verantwortlichkeit und Vermittelbarkeit ausgezeichnet haben.

In diesem Sinne rufen wir alle AntifaschistInnen in Süddeutschland und den angrenzenden Ländern dazu auf, am ersten Mai nach Ulm zu kommen! Und was die Zumutungen des Kapitalismus angeht: Diese (und letztlich auch die Nazis) werden wir nicht durch eine Art alternative Politikberatung loswerden, stattdessen empfehlen wir radikale Gesellschaftskritik.

Ulm, Hannover, Stalingrad!
Antifaschistische Aktion Ulm/Neu-Ulm Februar 2009

Mehr Infos unter http://1mai09ulm.blogsport.de/

Gegen den rechtsextremen WKR Ball am 30.01.2009 [Wien]


Gegen den WKR-Ball!

WKR-Ball 2009: Kein Grund zum Feiern!
Gegen Rechtsextremismus im Parlament, in den Köpfen und auf der Straße

Am 30. Jänner 2009 findet zum 56. Mal der traditionsreiche Ball des Wiener Korporations-Rings (WKR) in der Hofburg statt. Seit nun über 40 Jahren wird dem Korporations-Ring eine der repräsentativsten Örtlichkeiten in Österreich zur Verfügung gestellt. Dabei ist der veranstaltete Ball mehr als heikel.
Der WKR ist die Dachorganisation von insgesamt mehr als zwanzig „national-freiheitlichen“ Korporationen aus dem deutschnationalen Lager. Im WKR sind offen rechtsextreme Männerbünde wie die Olympia, die Teutonia, sowie die Cimbria organisiert – um nur einige zu nennen. In der Vergangenheit zeigte sich immer wieder wie fließend der Übergang zwischen rechten Verbindungen und dem Neonazi-Spektrum war (genauere Ausführung hier: http://aua.blogsport.de/images/Scharnier.pdf).
Der Ball des WKR gilt als ein Highlight im Kalender rechter bis rechtsextremer Studentenverbindungen im gesamten deutschsprachigen Raum. Und wieder einmal fungieren hier Korporationen und besonders Burschenschaften als Bindeglied zwischen der bürgerlichen Rechten und dem Rechtsextremismus.
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Nazigedenken Demontieren!

Anarchistischer Block bei Anti-Schubhaft Demo

Am 26.1. fand in Bludenz eine Demonstration mit dem Motto “Schubhaft sichtbar machen – Bleiberecht für alle!” statt. Es beteiligten sich laut großzügiger Wann & Wo – Schätzung etwa 100 Personen. Es gab zusätzlich noch einen “Anarchx Block”, der sich vom Anfang an lautstark an die Spitze der Demo begab und diese zu einem großen Teil prägte! Mit lautstarken Parolen gegen Staat(srepression) und Ausgrenzung zog der Demozug vom Bahnhof zum Abschiebeknast in der Bludenzer Innenstadt! Dort gab es je einen Redebeitrag von Asyl in Not und der Landtagsabgeordneten Karin Fritz von den Grünen, die zu mehr Demokratie und Menschlichkeit (was auch immer, das in ihren Augen heißen mag!?) aufriefen! Spontan gab es noch eine Rede in der die Festung Europa angeprangert wurde und sich vor allem gegen die Einteilung in gute und böse bzw. kapitalistisch verwertbare und nicht verwertbare AusländerInnen ausgesprochen wurde!
An dieser Stelle, wurde die Demo offiziell Aufgelöst. Anschließend bildete sich noch ein spontaner Demozug, der zum Jugendzentrum Villa K lief! Die Spontandemo erinnerte in einem Redebeitrag noch an den am 19. Jänner von Nazis, in Tschechien ermordeten Antifaschisten Jan Kucera.
Abschließend gab es im Jugendzentrum noch eine Diskussionsveranstaltung.

Als Resumee bleibt zu sagen, dass es sehr schade ist, wenn erst eine Woche vor der Demo halbherzig angefangen wird zu mobilisieren, ansonsten hätte Vorarlberg derzeit sicher das Potenzial für ein noch krafvolleres und größeres Zeichen gegen die ganze Scheiße! Es hat teilweise wie eine “Quoten-Demo” der SJ (parteijugendbashing olè) gewirkt – frei nach dem Motto: mehr Demos – mehr Presse – mehr Selbstdarstellung.

Ansonsten: schön zu sehen, dass sich in Vorarlberg wieder mehr tut und es auch vermehrt menschen gibt, die es nicht einsehen warum angesichts dieses ganzen Drecks, der sich hier und überall abspielt die Schnauze gehalten werden soll und deshalb (spontan) auf die Straße gehen!

Gedenkdemo in FN

Demonstration am 26.01.08
11 Uhr in Friedrichshafen

Für Samstag, den 26. Januar, ruft das „Bündnis gegen Rechts – Bodensee, Allgäu, Oberschwaben“ die EinwohnerInnen von Friedrichshafen zu einer Demonstration im Gedenken an die Opfer und die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz auf. Mit der Demonstration soll auch ein Zeichen gegen die rechtsextremistischen Aktivitäten in Friedrichshafen und der Bodenseeregion gesetzt werden.

Auftaktkundgebung: 11 Uhr Fridolin-Endrass-Platz

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