In den letzten Monaten war der Tod eines jungen Neonazis im Februar letzten Jahres immer wieder Thema. Die Tat selbst hatte wohl nichts mit der rechtsextremen Gesinnung des Getöteten bzw. seiner Freunde zu tun, dennoch nutzt die rechtsextreme Szene Vorarlbergs sie, um ihre menschenverachtende Ideologie zur Schau zu stellen.
Deshalb finden wir es als Antifa Xi-Berg (Vorarlberg) wichtig, die Hintergründe und die Gefahr, die von dieser Gruppierung ausgeht, zu erläutern.
Schon in der Vergangenheit hat es in Vorarlberg immer wieder Versuche der Neonaziszene gegeben, Todesfälle von Rechtsextremen dazu zu nutzen, Präsenz in der Öffentlichkeit zu zeigen.
Vor einigen Jahren kam es wiederholt zu sogenannten Trauermärschen für den Bregenzer Naziskin „Franky“, welcher sich nach einem Fußballmatch in einer Gefängniszelle erhängte. Und auch nach dem Tod einer 23-jährigen Münchnerin im Jahr 2004, die bei einem Neonazikonzert in Krumbach bei einem Unfall verstarb, gab es Versuche der Rechtsextremen, einen Trauermarsch durchzuführen.
Seit 2002 wurden jedoch sämtliche Aufmarschversuche von der Polizei im Keim erstickt.
Im vergangenen Jahr wurde von der Vorarlberger Sicherheitsdirektion erstmalig wieder ein sogenannter Gedenkmarsch akzeptiert. Nach der Beerdigung des 20-jährigen Naziskinheads marschierten ca. 100 Neonazis ungestört, nur durch 2 Polizeistreifen begleitet, von Wolfurt nach Lauterach.
Und auch in diesem Jahr wird in einschlägigen Internetforen wieder zu einem Trauermarsch am 6. Februar in Lauterach aufgerufen.
Dass es sich dabei um organisierte Neonazis handelt, war schon kurze Zeit nach der tödlichen Messerstecherei ersichtlich. Unter anderem tauchten am Tatort Plakate mit eindeutig rechtsextremen Aussagen auf, die mit B&H (Blood and Honour) unterzeichnet waren.
Blood and Honour ist ein internationales Netzwerk, das nationalsozialistische und faschistische Propaganda verbreitet. In Deutschland ist B&H schon seit dem Jahr 2000 verboten.
Auch bei der Beerdigung und dem anschließenden „Trauermarsch“ marschierten Neonazis aus dem gesamten Bodenseeraum auf.
Dass diese Veranstaltungen nicht von einfachen Neonazis besucht wurden, sondern von den Mitgliedern und der führenden Ebene der Blood and Honour-Organisation der Region, war unter anderem daran ersichtlich, dass auf den bisherigen Veranstaltungen jedesmal eine sehr große Anzahl an Symbolen von Blood and Honour beobachtet werden konnte, sowie an den Gedenkplakaten und Kränzen, die mit „Blood and Honour“ signiert waren.
Dass dabei die Trauer für einen getöteten Kameraden nur ein Vorwand ist, wird spätestens beim Aufruf zum „Gedenkmarsch“ am 06.02.2010 ersichtlich, denn dieser richtet sich explizit nicht an FreundInnen, Verwandte oder Familienmitglieder des Getöteten, sondern an „Organisationen und Sympathisanten“ der extremen Rechten.
Das Umfeld der Szene soll also auf eine Veranstaltung gelockt werden, bei der es eigentlich um Propaganda, Vernetzung und die Anwerbung von jungen Leuten für die faschistische Bewegung geht.
Wenn solche Aufmärsche weiterhin geduldet oder akzeptiert werden, könnte sich das zu einem Fixpunkt im Kalender der rechtsextremen Szene entwickeln.
Fakt ist, dass – trotz permanenter Leugnung der Sicherheitsdirektion – Vorarlberg eine Hochburg der rechten Szene in Österreich ist.
So wurde zum Beispiel ein von B&H als Motorradklub getarnter Verein mit Wissen der Exekutive jahrelang akzeptiert und konnte sich zum Anlaufpunkt für alte und junge radikale Rechte entwickeln.
Welche Auswirkungen das permanente Verharmlosen und Ignorieren der rechten Szene von Seiten der Sicherheitsdirektion und der Politik hat, ist an den in den vergangenen Monaten beinahe wöchentlich stattfindenden Übergriffen von Neonazis auf MigrantInnen, AntifaschistInnen und alternativ aussehende Menschen zu erkennen.
Dass solche Entwicklungen in einem Land mit einer Geschichte, wie Österreich und damit Vorarlberg sie hat, konsequent ignoriert werden, können und wollen wir nicht akzeptieren.
Antifa Xi-Berg
Weitere Informationen zu Blood & Honour Vorarlberg gibts unter: http://www.anarchismus.at/txt3/bloodandhonour.htm














